Was ist ein Entspannungspädagoge?

Diese Zeilen entstehen aus dem Grund, weil ich Interessenten am Telefon immer wieder über die wirklichen rechtlichen Rahmenbedingungen des Entspannungspädagogen aufklären muss, während anscheinend andere Anbieter im Internet bewusst falsche Angaben machen bzw. sogar irreführende Werbung betreiben. Außerdem möchte ich die Unterschiede zu anderen Ausbildungen herausarbeiten, damit sie eine konkrete Entscheidungshilfe zur Hand haben. Da ich über viele Jahre Rechtskunde an einer Heilpraktikerschule unterrichtete traue ich mir durchaus zu, den Sachverhalt hier darzustellen und ihnen so eine Entscheidungshilfe anzubieten.

Der Titel Entspannungspädagoge, Entspannungstrainer, Dipl.-Entspannungspädagoge

Die Begriffe Entspannungspädagoge und Entspannungstrainer sind nicht geschützt und im Prinzip kann sich jeder, auch ohne entsprechende Ausbildung so nennen. In der Praxis wird dies aber nicht funktionieren, da die Teilnehmer in erster Linie die Qualität ihres Unterrichts beurteilen. Wie sie sich also nennen bleibt ihnen überlassen. Im Wellness und Fitness Bereich wird man sich wohl eher Trainer nennen, im Präventionsbereich eher Pädagoge. Ebenso sagt der Titel Diplom Entspannungspädagoge nichts aus. Auch das Wort Diplom ist nicht geschützt und jeder kann einem so ein Diplom verleihen. Wir sind in Deutschland leider immer noch sehr titelgläubig und wenn ein Titel nur recht offiziell und akademisch klingt, dann leiten wir daraus sofort unbewusst eine staatliche Zulassung ab.

Staatliche Anerkennung

Eine staatliche Anerkennung für den Entspannungspädagogen (oder alternative Titel) gibt es NICHT. Wenn ihnen jemand etwas anderes erzählt, dann belügt er sie oder versucht andere staatliche Anerkennungen dafür zu verwenden. Dies ist nach meiner Meinung sogar irreführende Werbung und verstößt gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Rechtlich gesehen ist die Ausbildung nur eine Fortbildung, da jeder ohne Vorbildung als Lehrer tätig werden darf. Es gibt vor allem zwei Dinge, die für diese Irreführung gerne verwendet werden.

Staatlich anerkannter Fernunterricht

Vor einigen Jahren musste der Gesetzgeber regulierend eingreifen und jedes Institut, das Fernunterricht anbot musste sich zertifizieren lassen. Die staatliche Anerkennung beschränkt sich nur darauf, dass der Veranstalter Fernunterricht abhalten darf. Einige Anbieter verknüpfen diese Zulassung gerne mit dem Enspannungspädagogen, was natürlich nicht der Fall ist, sondern nur den Eindruck der staatlichen Anerkennung erwecken soll. Da wir keinen Fernunterricht anbieten und dies beim Entspanungspädagogen auch meiner Meinung nach schlecht möglich ist, besitzen wir natürlich auch nicht die staatliche Anerkennung zum Fernunterricht.

Staatliche Befreiung von der Umsatzsteuer für Ausbildungsbetriebe

Betriebe, die Ausbildungen anbieten können sich bei ihrer Bezirksregierung von der Umsatzsteuer befreien lassen. Auch hier wird nicht die Qualität und der Ausbildungsinhalt, sondern nur die rechtlichen Rahmenbedingungen geprüft. Auch unsere Ausbildungen sind von der Umsatzsteuer befreit. In dem Sinne der Umsatzsteuerbefreiung ist die Ausbildung somit staatlich zugelassen, was aber mit der staatlichen Zulassung des Entspannungspädagogen nichts zu tun hat. In unserem Bescheid der Bezirksregierung ist es sogar ausdrücklich verboten diesen Titel für Werbung zu verwenden.

Lassen sie sich also nicht blenden eine staatliche Zulassung für den Entspannungspädagogen gibt es nicht.

Krankenkassenzuschuss und rechtliche Grundbedingungen

Entspannungskurse, in denen Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung gelehrt wird, können von den Kassen im Rahmen der „Kostenerstattung” für Präventionskurse (§20 Sozialgesetzbuch V) bezuschusst werden. Der Kursteilnehmer erhält also die Kursgebühren ganz oder teilweise von seiner gesetzlichen Krankenkasse erstattet. Die Höhe der Erstattung schwankt von Krankenkasse zu Krankenkasse zwischen 60% und 100% der Kursgebühr. Auch die Häufigkeit ist unterschiedlich. Damit die Kursteilnehmer die Erstattung in Anspruch nehmen können muss der Kursleiter zwei Voraussetzungen erfüllen:

Vorberuf

Der Kursleiter muss eine staatlich anerkannte Grundausbildung im psychosozialen oder medizinischen Bereich haben. Im Präventionsleitfaden der Krankenkassen werden folgende Grundausbildungen genannt: Psychologe, Pädagoge, Sozialpädagoge/Sozialarbeiter, Sozialwissenschaftler, Gesundheitswissenschaftler, Arzt, Sportwissenschaftler, Sport-, und Gymnastiklehrer, Physiotherapeut, Krankengymnast, Ergotherapeut, Erzieher, Gesundheitspädagoge und Heilpädagoge. Die Praxis zeigt, dass das Feld inzwischen weiter gefasst wird und zumeist alle Berufe im psychosozialen oder medizinischen Bereich anerkennen.

Zusatzausbildung in einem Entspannungsverfahren

Der Kursleiter muss eine Ausbildung in einem Entspannungsverfahren vorweisen, die mindestens 32 Unterrichtseinheiten umfasst. Bei Personen, die den Vorberuf hatten ist unser Zertifikat meines Wissens bis jetzt immer anerkannt worden. Dann muss der Kurs, den man halten will bei der zentralen Prüfstelle eingestellt und geprüft werden. Nur genehmigte Kurse werden dann von der Kasse bezuschusst. Der Link der zentralen Prüfstelle ist: http://www.zentrale-pruefstelle-praevention.de

Kurse ohne Bezuschussung

Wenn sie keinen solchen Vorberuf besitzen, dann ist das keineswegs ein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Zuerst sollten sie sich überlegen, ob sie in ihrem zukünftigen Arbeitsbereich überhaupt die Anerkennung zum Krankenkassenzuschuss benötigen.   Dies ist zum Beispiel nicht der Fall, wenn sie die Ausbildung nur als Fortbildung in ihrem derzeitigen Arbeitsfeld benötigen oder die Entspannungsverfahren in ihrer Praxis als Einzelunterricht einsetzen wollen. Dann sollten sie ihre Entscheidung unabhängig von diesem Faktor treffen.

Aber auch, wenn sie die üblichen Entspannungskurse anbieten wollen, geht dies durchaus ohne den Krankenkassenzuschuss. Was wirklich zählt ist die Qualität ihres Unterrichts und genau deshalb werden die Leute zu ihnen kommen. Wenn sich herumspricht, dass sie gut sind und sich die Leute bei ihnen entspannen können, dann werden sie auch regen Zulauf haben egal ob es einen Zuschuss gibt oder nicht. Dazu möchte ich ihnen als Beispiel eine von uns ausgebildete Kursleiterin nennen. Sie wohnt in einer relativen kleinen Gemeinde und konnte dort den Gemeindesaal sehr günstig für Entspannungskurse mieten. Sie gestaltete nur wenige Handzettel und erzählte es auch privat einfach weiter und schon nach kurzer Zeit war der Kurs gut befüllt und sie musste eine Warteliste anlegen. Sie bekam ausgezeichnetes Feedback von den Kursteilnehmern und so konnte sie sehr bald danach einen zweiten Kurs ansetzen, der wieder sofort gefüllt war. Seitdem hält sie mit großem Erfolg Entspannungskurse ab und während der gesamten Zeit wurde sie kein einziges Mal nach dem Krankenkassenzuschuss gefragt. Die Qualität des Kurses war einfach so gut, dass dieser keine Rolle spielte und den Leuten der Entspannungserfolg wichtiger war, als der Zuschuss.

Ausbildungslänge

Manche Ausbildungsgänge im Entspannungssektor sind nach meiner Meinung vollkommen überladen. Ich muss als normaler Kursleiter mich z. B. nicht exakt mit dem Hormonsystem auskennen, auch wenn Effekte der Entspannung von diesem System gesteuert werden. Ich muss allerdings wissen, welche praktischen Auswirkungen es gibt und wie ich sie handhaben muss. Unsere Ausbildung startete ursprünglich als Heilpraktikerfortbildung für Autogenes Training und hat sich dann über die Jahre fortentwickelt und ist gewachsen. Wir versuchen dabei ein gesundes Gleichgewicht zwischen der erforderlichen Qualität und dem Kostenfaktor zu erreichen. Man könnte also sagen, dass die derzeitige Ausbildungszusammenstellung das Produkt eines langen Entwicklungsprozesses ist.

Deshalb verlange ich auch bei unserer Ausbildung ein gewisses Maß an Selbstverantwortung, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Aus diesem Grund sind zwischen den einzelnen Ausbildungsblöcken auch entsprechende Zeiträume, damit das Gelernte sich auch setzen und eingeübt werden kann. Nach 18 Jahren Ausbildungstätigkeit muss ich sagen, dass das Konzept sich einfach bewährt hat und bis jetzt noch jeder Absolvent die praktische Abschlussprüfung so bestanden hat, dass ich ihn guten Gewissens entlassen konnte.

Akademiker und Nicht – Akademiker

Ich habe Akademiker (Theologen, Ärzte, Sozialpädagogen, die Ausbildung nicht bei mir gemacht haben) erlebt, die Entspannung einfach furchtbar angeleitet haben und einfache Hausfrauen, bei denen die Kursteilnehmer auf Wolke 7 schwebten und sich einfach fallen lassen konnten. Andersherum kann ich mich an Psychologen erinnern, die, wie man so schön sagt, Klassenbester bei mir im Kurs waren. Es kommt auf die Person und deren Motivation an und nicht auf die Vorbildung. Wichtig ist dabei vor allem, dass der Kursleiter die Entspannung über Stimme, Geisteshaltung und eigener Entspannungsfähigkeit gut vermitteln kann. Deshalb ist unsere Ausbildung sehr stark auf die praktisches Üben geprägt, weil nur dies letztendlich im Kurs zählt.

Ich selbst praktiziere nun seit 1988 autogenes Training und bilde seit 1997 aus. Ich habe eine umfassende Tai Chi, Zen Meditation, schulmedizinische, naturheilkundliche und psychotherapeutische Ausbildung und seit 1995 eine eigene Praxis. Aber ich habe mir meine Kenntnisse durch viel persönlichen Einsatz und harte Arbeit außerhalb der Universität erworben, sitze aber in vielen Fortbildung neben den Akademikern und wir haben beide kein Problem damit. Die Ausbildung ist auch deshalb so stark praxisbezogen, weil meine Kenntnisse sich immer an der Praxis orientieren mussten und so immer einem direkten Praxistest ausgesetzt waren.

Entspannungstherapeut

dürfen sich in Deutschland nur Ärzte, Psychotherapeuten und Heilpraktiker nennen. Um Verwechslungen vorzubeugen ist es für Heilpraktiker aber besser in ihrem Therapieangaben nur Entspannungstherapie zu schreiben ( also Heilpraktiker Otto Mustermann, Entspannungstherapie, Kunsttherapie, NLP). Allerdings lautet unser Zertifikat nur auf den Entspannungspädagogen, so dass rechtlich gesehen keine Ausbildung zum Entspannungstherapeuten besteht. Alle außer den oben genannten Gruppen dürfen selbstständig keine Therapie vornehmen und sich somit auch nicht …Therapeut (welcher auch immer) nennen.

Wer schon mal mit Rechtlichem zu tun hatte, der weiß natürlich, dass es immer viele Meinungen und Auslegungen gibt. Dies ist meine und eine rechtliche Gewähr hierfür kann ich natürlich nicht geben.

Klaus-Ingbert Wagner

http://www.zukunftswerkstatt-amberg.de

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