Der Plan

So ist es einfach im Leben. Jetzt habe ich im Sommer das Fahrradfahren wieder entdeckt. Es fühlte sich wirklich gut an unabhängig ohne CO² Verbrauch vorwärts zu kommen und ganz nebenbei hat sich die Kondition auch noch verbessert. Und ich hab es auch recht konsequent durchgezogen. Mein Fahrrad mit entsprechenden Transportmöglichkeiten ausgestattet (verschließbarer Harttop hinten und Korb vorne) um auch die Einkäufe unterzubringen. Hab mir entsprechende Regenkleidung zugelegt (Der Regenponcho hat sich als nicht so der Hit erwiesen, besser war Regenjacke- und hose) und mir Fahrradhelm und entsprechende Mützen gekauft (es gibt tatsächlich einen Fahrradhelm aus recycelten Kunststoff und einem inneren Stützsystem aus Pappe, allerdings ist er der einzige seiner Art).

Alles war für den Winter vorbereitet und ich hätte einfach weiterradeln können…also alles super geplant und durchorganisiert. Eigentlich weiß ich es ja, das Leben ist nicht planbar. Im Sommer 2010 habe ich mir nach einem kleinen Gartenunfall einen Innenmeniskusriss zugezogen. Ließ sich mit Naturheilkunde, Zeit und Ruhe gut behandeln. Auch lange Bergtouren im Sommer waren möglich, aber ich merke immer, dass ich vorsichtiger sein muss und auf meine Grenzen achten.

So weit so gut, aber diesen November kamen Kälte, Nässe und körperliche Überanstrengung zusammen und schwubs meldete sich mein Knie wieder zu Wort. So humpelte ich wieder eine Woche durch die Gegend und seitdem ist Fahrradfahren out. Es ging einfach nicht. Im Januar schließlich sind schon wieder lange Wanderungen möglich aber zur Sicherheit warte ich mit dem kniefeindlichen Fahrradfahren noch bis Februar oder März. Das heißt mein ganzer schöner Plan war für die Katz und ich versuche jetzt ein bisschen mehr zu Fuß zu gehen, um das Auto öfter stehen zu lassen.

Wichtig war für mich aber das Ziel – Fahrradfahren über den Winter – loszulassen. Das konnte ich Gottseidank ganz gut, denn sonst hätte ich mich nur geärgert. Dies bringt mir wieder das alte Weisheitsbuch des Tao Te King ins Bewusstsein, welches unter anderem besagt, dass das wirkliche Leben nicht planbar ist. Die Wahrheit liegt vielmehr in dem für uns Unbegreiflichen und auch Ungeplanten. Denn wenn man das Leben wirklich konsequent durchdenkt ist Sicherheit und auch jeder Plan eine Illusion, die durch das Leben jederzeit durchkreuzt werden können.

Und das macht das Leben auch mit schöner Regelmäßigkeit – es durchkreuzt unsere Pläne. Gottseidank konnte ich meinen schönen Plan dann doch einigermaßen leicht wieder loslassen und mich auf das Neue einstellen. Genau das rate ich euch auch. Tretet einen Schritt zurück und schaut mal, was es neben euren eigentlichen Plänen noch für Möglichkeiten gibt. Das Leben bietet dort meist unheimlich viel kreative Ausweichrouten, auf die man vorher gar nicht gekommen wäre.

Zum Schluss deshalb der letzte Absatz des 20. Verses des Tao Te King in der das Ideal des „unwissenden Weisen“ beschrieben wird.

Ich treibe dahin wie die Wellen des Meeres,

ohne Richtung, wie ein Wind, der nie verebbt

Die anderen haben alle ein Ziel,

ich allein bin unwissend und ungebildet.

Ich bin anders als alle anderen,

aber die Große Mutter hegt und pflegt mich.

 

In diesem Sinne frohe Planlosigkeit

Klaus

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Eine Antwort zu Der Plan

  1. Johanna Just schreibt:

    Lieber Klaus,
    danke für den Artikel „Der Plan“. Beim Lesen wrude mir bewußt, wie wichtig es ist Pläne, welche zur Zeit nicht stimmig sind, loszulassen um sich auf neue Pläne einzulassen.
    Johanna Just

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